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Seitenwagen WM: Schweizer Uhrwerk gibt Takt vor

Bereits der Samstag bot einiges an Action während des Sidecar Festivals in Oschersleben. Ein voll gepacktes Programm hatte alles zu bieten für die Gespannfreunde vor Ort. Auch für die ein oder anderen Teams ging es ganz schön geschäftig zur Sache, denn so mancher entschied sich in Oschersleben doppelt an den Start gehen zu wollen. So u.a. Tim Reeves und Kevin Rousseau, die sowohl in der WM wie auch in der IDM auf Punktejagd gingen.

Je ein Freies Training, zwei Qualifyings und das erste Rennen der Sidecar World Championship standen somit zumindest theoretisch zu Buche und man musste sich vorher schon genau überlegen, wie viel Turns man sich und seiner Maschine an diesem sonnigen Samstag zumutete.

Da zwischen den beiden Qualifying-Sitzungen und dem ersten Rennen nicht viel Zeit lag, boten sich kaum Chancen um großartige Änderungen an der Technik noch vorzunehmen. Dennoch nutzten manche Teams noch einmal den Nachmittag, um sich gut auf das 21-ründige Rennen vorzubereiten.

Den ersten Platz in der Startaufstellung eroberten sich zunächst Markus Schlosser und Marcel Fries mit einer absoluten 1:31er Fabelzeit und überraschten damit die Konkurrenten, denen kaum mehr Möglichkeiten blieben den Schweizern noch etwas entgegen zu setzen.

Todd Ellis und Emmanuelle Clement kamen somit auf den zweiten Startplatz, dahinter schnappten sich Bennie Streuer und Jeroen Remme mit ihrem LCR Yamaha Gespann Startplatz 3. An vierter Stelle in Reihe zwei folgten Tim Reeves und Kevin Rousseau, die zuvor noch das erste Qualifying anführen konnten.

Als Tageshöhepunkt folgte das erste Rennen als Abschluss eines erfolgreichen ersten Festival-Tages. Als die Startampel erlosch, setzten sich zunächst Todd Ellis und Emmanuelle Clement vor Schlosser/Fries und Peugeot/Peugeot an die Spitze. Paivarinta/De Haas und Reeves/Rousseau folgten ihnen auf den Positionen 5 und 6.

Tim Reeves klopfte anschließend bereits in der zweiten Runde das erste Mal mal bei Paivarinta/De Haas an, musste da aber noch zurückstecken. Der Finne ging derweil am Vater-Sohn Duo Peugeot vorbei, so dass sich Reeves/Rousseau zunächst einen Weg an dem französischen Gespann vorbei bahnen mussten.

An der Spitze kündigte sich zwischenzeitlich der Führungswechsel an. In der fünften Runde übernahmen dort Markus Schlosser und Marcel Fries das Zepter und gaben dieses auch nicht mehr aus der Hand. Die Top 5 bestehend aus Schlosser/Fries, Ellis/Clement, Streuer/Remme, Paivarinta/De Haas und Reeves/Rousseau lagen zu dem Zeitpunkt zwar noch nah beieinander, aber gegen die Schweizer war an diesem Samstag einfach kein Kraut gewachsen.

Schlosser/Fries drehten konstant wie ein Uhrwerk ihre Runden und pendelten sich bei 1:32er Rundenzeiten ein. Sie hielten Ellis/Clement auf einer guten „Armlänge“ von einer Sekunde auf Abstand. Dahinter hatte sich jedoch noch nicht entschieden, wer die letzten beiden Plätze auf dem Podest einnehmen würde. Reeves/Rousseau machten sich schließlich auf den Weg in Richtung Spitze und versuchte erneut ihr Glück bei Pekka Paivarinta und Ilse De Haas. Ende Hasseröder entschied sich das Bonovo-Duo dann für einen Angriff, doch Paivarinta schlug die Tür vor der Nase zu. Dennoch wurde dem Finnen dieser Streckenabschnitt in der neunten Runde zum Verhängnis. Reeves/Rousseau zogen beherzt eingangs Hasseröder-Kurve innen rein und schoben sich an ihren Kontrahenten vorbei. Zwei Runden später schnappte er sich Teamkollege Bennie Streuer Ende Start Ziel.

Die Spitze schien zu dem Zeitpunkt schon davon geeilt, denn Markus Schlosser und Marcel Fries legten von da an nochmal Runde für Runde einen drauf und wurden immer schneller.

Doch dann standen in Runde 16 die ersten Überrundungen auf der Strecke an und es zeigte sich. Schlosser/Fries schienen nahezu mühelos passieren zu können. Todd Ellis und Emmanuelle Clement verloren hingegen im Überrundungsverkehr den Anschluss und hatten auf einmal Tim Reeves und Kevin Rousseau direkt dicht am Heck hängen.

Reeves/Rousseau erhöhten daraufhin zwar noch einmal den Druck, mussten sich letztlich mit Rang 3 zufrieden geben. Todd Ellis und Emmanuelle Clement setzten sich somit durch und freuten sich über den zweiten Platz. Markus Schlosser und Marcel Fries rauschten hingegen 4,436 Sekunden Vorsprung zum Sieg.

Bennie Streuer und Jeroen Remme erreichten auf Rang 4 das Ziel, gefolgt von Pekka Paivarinta und Ilse De Haas auf Position 5. Kershaw/Charlwood wurden 6, vor Peugeot/Peugeot (7.), Biggs/Schmitz (8.) und Lawrie/Smithies (9.)

Lukas Wyssen und Thomas Hofer hatte im Rennen hingegen mehrere Duelle auszufechten. Zunächst gerieten sie nach einer Kollision gleich zu Beginn von der Strecke und mussten einige Platzverluste in Kauf nehmen. Danach befanden sie sich im Dreikampf mit Kimeswenger/Kölsch und Endeveld/Crome. Das Gustoil Sidecar Racing Team konnte sich allerdings auch gegen diese Mitstreiter durchsetzen und einen reichlichen Abstand herausfahren. Sie komplettierten die Top Ten.

Das man im Gespannsport in manchen Situationen den nötigen Biss haben muss, bewiesen in diesem Rennen das Team des MRSC Gunskirchen oder eher vielmehr Beifahrer Kevin Kölsch. Nach dem unglücklichen Unfall vor einem Woche während dem IDM-Lauf am Hockenheimring verletzte sich der junge Netphener seinen Fuß und kehrte an diesem Wochenende nach einer kurzen Genesungsphase humpelnd ins Fahrerlager zurück. Als Doppelstarter absolvierte das Duo ebenfalls ein straffes Programm an diesem Tag und musste anschließend noch das 21-ründige Rennen überstehen.

Dank hartnäckiger Duellpartner hatten Kimeswenger/Kölsch im Rennen jedoch nicht viel Zeit um über schmerzende Gliedmaßen nachzudenken. Sowohl Wyssen/Hofer wie auch Kees Endeveld und Hendrik Crome hielten die Beiden ganz schön auf Trab, so dass diese bis zum Zieleinlauf gut zu tun hatten. Kimeswenger/Kölsch beendeten das Rennen anschließend auf Platz 11, gefolgt von Kees Endeveld und Hendrik Crome, die an diesem Wochenende ihr letztes Rennen gemeinsam bestreiten, bevor Gespannpilot Kees Endeveld die Lederkombi an den Nagel hängt.

Janez Remse und Manfred Wechselberger wurden 13., Cable/Masters kamen auf Rang 14, gefolgt von Vinet/Farnier (15.). Gallerne/Bidault sahen die Zielflagge nicht.

Das zweite Rennen startet am Sonntag um 13.15 Uhr und geht ebenfalls über 21 Runden.

Text und Foto: Doreen Müller-Uhlig

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