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Seitenwagen WM: Regenschlachten in Estoril schreiben WM-Geschichte

Nachdem sich im ersten Rennen einige Teams bei der Reifenwahl verpokert hatten, fiel die Entscheidung am Nachmittag deutlich für Regenreifen aus, denn es war einfach nur komplett nass. Der Regen hielt an und die Sicht blieb nahezu schlecht und dennoch mussten manche Starter alles auf eine Karte setzen.

Als die Lichter ausgingen, waren es diesmal Todd Ellis und Emmanuelle Clement mit ihrer LCR Yamaha die einen großartigen Start erwischten. Von innen folgten jedoch direkt Ben und Tom Birchall während auf der Außenseite Tim Reeves und Kevin Rousseau mit ihrem Adolf RS-Gespann direkt auf Konfrontation gingen. Lukas Wyssen und Thomas Hofer kamen als Nächste dicht hinter her, sie mussten sich jedoch bereits von Anfang an gegen Harry Payne und Mark Wilkes wehren.

Markus Schlosser und Marcel Fries hatten nach ihrem Debakel im ersten Rennen ebenfalls einen guten Start und konnten sich auf Platz 6, vor Bennie Streuer und Jeroen Remme sowie Craig Currie und Justin Sharp in Position bringen. Ausgangs der ersten Kurve übernahmen schließlich Reeves/Rousseau, die Führung des Feldes und es sah ganz danach aus als würde das Bonovo-Sieger-Duo das Zepter nicht mehr aus der Hand geben.

Doch die Bedingungen auf dem Circuito do Estoril wurden immer schlechter, der Regen verstärkte sich zusehens und die Gischt auf der Strecke wurde immer herausfordender für alle Seitenwagen-Teams, die dennoch um jeden Meisterschaftspunkt kämpften. Darunter Todd Ellis und Emmanuelle Clement. Das Duo rechnete sich noch gute Chancen für den Titelgewinn aus und war gut unterwegs. Dann unterlief ihnen jedoch ein Fehler. Ellis/Clement drehten sich und hatten Mühe auf Kurs zu bleiben. Die Chance für Harry Payne und Mark Wilkes an ihnen vorbei zu gehen und die Verfolgung zur Spitze aufzunehmen.

Dahinter lieferten sich die Gebrüder Birchall mit Markus Schlosser und Marcel Fries einen engen Fight, doch auch die Briten schienen Probleme mit dem Grip zu haben und wurden schließlich von den Schweizern einkassiert. Pekka Paivarinta und Ilse De Haas befanden sich derweil ebenfalls auf dem Vormarsch. Sie hatten die Birchalls sowie Wyssen/Hofer überholt und wirkten fest entschlossen, Ellis /Clement ebenfalls einzuholen.

Auch Kershaw/Charlwood rückten immer näher. Sie überholten Wyssen/Hofer und schloßen schnell die Lücke zu Ben und Tom Birchall. Es dauerte nicht lange, bis sie die Birchall-Brüder vor sich hatten und an ihnen vorbei gehen konnten, um anschließend Paivarinta/De Haas zu verfolgen.

Todd Ellis und Emmanuelle Clement mussten hingegen einen weiteren Dreher hinnehmen und fielen dadurch noch weiter zurück.

Zwei Runden vor Schluss kam schließlich das unerwartete Aus für Tim Reeves und Kevin Rousseau. Ein technischer Defekt nahm sie erneut vorzeitig aus dem Rennen und sie mussten in die Boxengasse einbiegen und einen weiteren Nuller verkraften.

Für alle anderen Teams ging die Regenschlacht weiter.

Am Ende standen schließlich zwei überraschte Wild Card-Starter ganz oben auf dem Treppchen.

Harry Payne und Mark Wilkes konnten es selbst nicht ganz fassen, dass sie bei ihrem zweiten WM-Rennen prompt einen Sieg einfahren konnten. Sie gewannen knapp vor dem zweitplatzierten Team Stephen Kershaw und Ryan Charlwood.

Der dritte Platz ging an einen überglücklichen Markus Schlosser und Marcel Fries, die damit wussten, dass ihr Punktepolster ausreichte um sich vorzeitig zum neuen Weltmeister zu kühren.

Pekka Paivarinta und Ilse de Haas belegten den vierten Platz, sie mussten hingegen im dritten Rennen alles abrufen, um ihren dritten Platz in der Meisterschaft vor Kershaw /Charlwood zu verteidigen.

Todd Ellis und Emmanuelle Clement wussten hingegen, dass ihr Titelkampf verloren war, sie belegten den fünften Platz, vor Lukas Wyssen und Thomas Hofer.

Bennie Streuer und Jeroen Remme erreichten den siebten Platz . Dahinter kamen Robb Biggs und Jeroen Schmitz auf Rang 8 ins Ziel. Ben und Tom Birchall, die in der Anfangsphase des Rennens gut zurecht kamen, hatten wie alle Teams mit schwindendem Grip zu kämpfen und belegten letzlich nur den neunten Platz.

Claude Vinet und Melanie Farnier wurden Zehnte, mit einer Runde Rückstand auf den Rest des Feldes. Mit zwei Runden Rückstand wurden Stephane Gadet und Valentin Pirat Elfte.

Für die Teams blieb jedoch kaum Zeit sich auszuruhen, denn sie mussten ihre Gespanne für das letzte Rennen Sonntagmittag vorbereiten.

Das abschließende Rennen der diesjährigen Seitenwagen-Weltmeisterschaft hatten zunächst erneut Tim Reeves und Kevin Rousseau fest in der Hand. Mit den schnellsten Rundenzeiten des gesamten Fahrerfelds hatten sie sich diesmal bereits von Beginn an deutlich von ihren Kontrahenten abgesetzt.

Ben und Tom Birchall erlebten hingegen keinen guten Start, legten im Rennverlauf jedoch immer mehr zu und überholten auf der abtrocknenden Strecke nach und nach immer mehr Gespannteams. Sie kamen der Spitze immer näher, waren für einen direkten Angriff auf Reeves/Rosseau jedoch zu weit entfernt.

Dahinter mussten auch Markus Schlosser und Marcel Fries erst einmal richtig in Fahrt kommen. Sie hatten diesmal alles auf Slicks gesetzt, was sich letztlich für die frisch gebackenen Weltmeister bezahlt machte. Noch in der letzten Runde überholten sie Todd Ellis und Emmanuelle Clement und nahmen ihnen damit den letzten Platz auf dem Treppchen ab.

Währenddessen blieb der dritte Platz in der Weltmeisterschaft hart umkämpft. Die Entscheidung sollte hier erst zum Schluß des letzten Saisonrennens folgen, denn Stephen Kershaw und Ryan Charlwood lagen zunächst lange in den Top 3. Doch die Reifen bauten immer weiter ab, so dass sie Pekka Päivärinta und Ilse de Haas nicht mehr hinter sich halten konnten. Sie kamen als sechste ins Ziel und holten sich in der Endabrechnung den vierten Platz.

Mit dem siebenten Platz beendeten Bennie Streuer und Jeroen Remme ihre gemeinsame Saison. Hinter ihnen freuten sich Craig Currie und Justin Sharp mit Platz 8 über eine weitere Spitzenplatzierung bei ihrem WM-Debüt. Claude Vinet und Melanie Farnier duellierten sich hingegen mit Robb Biggs und Jeroen Schmitz um Platz 10, mussten sich zum Schluß jedoch noch geschlagen geben und wurden Elfter.

Lukas Wyssen und Thomas Hofer kamen auf Platz 12, Stephane Gadet und Valentin Pirat wurden 13. , vor Philippe Le Bail und Serge Leveau (14.). Die Überraschungssieger aus dem zweiten Rennen, Harry Payne und Mark Wilkes hatten im letzten Rennen hingegen wenig Glück. Sie mussten ihr Gespann mit einem technischen Defekt abstellen.

Das Wochenende stand jedoch ganz im Zeichen von Markus Schlosser und Marcel Fries, die trotz anfänglicher Probleme und einem unglücklichen Verlauf im ersten Rennen bis zum Schluss am Traum vom Schweizer WM-Titel festhielten und für ihren Durchhaltewillen und Einsatz letztlich belohnt wurden.

Das sympathische Duo erweiterte damit die Schweizer Motorsportgeschichte um ein weiteres Kapitel, denn erstmals seit 1994 und dem letzten Titel vom legendären Rolf Biland (70) ist nun wieder ein Schweizer Duo Seitenwagen-Weltmeister. Schlosser/Fries sind zudem in diesem Jahr in bester Gesellschaft, denn vor wenigen Wochen holte bereits Landsmann Dominique Aegerter vorzeitig den Titel in der Supersport WM in die Schweiz.

Text: Doreen Müller-Uhlig

Foto: FIM Sidecar World Championship // fim-moto.com

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